Zur Wintersonnenwende

Ab jetzt werden die Tage wieder länger.
Ab jetzt bewegen wir uns wieder gen Licht,
können wir wieder hoffen und neue Kräfte sammeln.
Die schönsten Dinge geschehen, wenn man sie am wenigsten erwartet,
und jetzt warten wir auf dich, goldenes Licht, von Gott gegeben,
dass du neue Wärme in unser Leben bringst.
Allein wenn ich an dich denke, umspielt ein Lächeln meine Lippen
Und ich kann es nicht erwarten, dich endlich zu sehen.
Ab jetzt werden die Tage wieder länger.
Aber jetzt können wir wieder hoffen.

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Fragment XIV

Auf einmal hörte ich auf, mir Geschichten auszudenken und fing an, von der Realität zu träumen, weil all meine Träume wahr geworden waren.

One day I stopped making up stories and started to dream of reality because all my dreams had already come true.

Zurück – Back

Ich bin wieder zurück, nach 365 Tagen, und es ist, als wäre ich nie fort gewesen. Nichts hat sich verändert in dieser Stadt, alles ist so normal, dass es surreal wirkt. Alles ist wie immer – aber ich gehöre nicht mehr dazu. Ich gehe durch die Straßen, sitze im Bus, stehe im Einkaufscenter und alles scheint fern, scheint, als würde ich es nur auf Leinwand sehen. Ich beobachte alles, aber ich bin nicht teil dessen, was ich sehe. Ich habe mich verändert.

I am back, after 365 days, and it is as if I had never been away. Nothing has changed in this city, everything is so normal that it seems surreal. Everything is like always – but I don’t belong here anymore. I walk through the streets, sit in the bus, stand in the supermarket and everything seems far, as if I only saw it on screen. I watch everything but I am not part of what I see. I have changed.

Selbstporträt IV – Self-portrait IV

Die Dunkelheit nahm dem Mädchen seine Gedanken. Und übrig blieb nichts. Sie stolperte davon und der Bach verschluckte sie. Sie trieb davon, bis sie irgendwann merkte, dass sie auf einen Stein inmitten des Baches lag und die Sonne auf ihren Rücken schien. Der stumme Fisch sprang aus dem Wasser und verschwand wieder darin.
Das Mädchen blieb liegen, bis die Sonne es vollends getrocknet hatte. Dann breitete sie die Flügel aus und flog davon. Sie wusste nicht, ob es die Schwingen des Adlers oder des Schmetterlings waren.

The darkness took the thoughts of the girl. And nothing was left. She stumbled away and the stream swallowed her. She was washed away by the water. Then she noticed that she was lying on a stone in the middle of the brook and that the sun warmed her back. The mute fish jumped out of the water and disappeared in its waves again.
The girl stayed where she was until the sun had dried all of her. The she extended her wings and flew away. She didn’t know if they were the pinions of the raven or of the butterfly.

Fragment XI

Und dann kehrt ein Moment der Ruhe ein, am Ende des Tages, endlich werden all die Geräusche still und in Stille gehüllt bleibt nur die Trauer. Der Tod macht vor dem Leben nicht Halt. Aber das Leben macht auch vor dem Tod nicht Halt. Wir dürfen nicht aufhören zu leben, selbst dann nicht, wenn uns ein geliebter Mensch genommen wurde. Und die Trauer verklingt in der Stille. Und die Stille flüstert uns Vertrauen zu.

And then a moment of silence reigns, in the end of the day, finally all the noises cease and shrouded in silence grief is left. Death doesn’t stop in front of life. But life doesn’t stop in front of death, too. We aren’t allowed to stop living even if a beloved person has been taken from us. And the grief ceases in silence. And the silence whispers faith.

Fragment X

Manchmal können wir Menschen nicht helfen, denn sie sind in ihrer eigenen Welt gefangen, und es gibt keine Fenster nach draußen. Vielleicht hören sie deine Stimme, aber sie sehen dich nicht, und deshalb wissen sie nicht, wann sie vertrauen sollen. Manchmal entscheiden sie sich das Falsche zu glauben, und verlieren etwas, dessen Wert sie nicht kannten, obwohl du alles versucht hast, um ihnen zu zeigen, was sie niemals sehen konnten.

Sometimes we can’t help people because they are caught in their own world and there are no windows to the outside. Maybe they can hear your voice, but they can’t see you, and because of that they don’t know when they should trust. Sometimes they decide to believe what isn’t true and lose something which they never knew the value of, even though you tried so hard to show them what they were never able to see.

Du (IV) – You (IV)

Und dann war der Moment da, in dem ich endlich wieder in deine Augen blicken konnte, in dem ich meine Arme um deinen Körper schlingen und dich ganz fest an mich drücken konnte. Der Moment, in dem wir endlich wieder vereint waren. Ich war zurück von meiner langen Reise, war wieder zu Hause angekommen. Ich würde deine Hand nicht wieder loslassen.

And then the moment was there, the moment in which I could finally see into your eyes again, in which I could wrap my arms around your body and keep you tied to me. The moment in which we were finally united again. I was back from my long journey, was back home. And I wouldn’t let you go anymore.

Über einen Fremden – Of a Foreigner

Sie schikanierten ihn, riefen ihn bei verschiedenen Namen, gingen ihn an, beschuldigten ihn. Es waren kleine verachtende Gesten, Blicke, zweifelnde Fragen, fast zufällig nur, aber sie waren immer da, jedes Mal, wenn er nach draußen ging. Er ertrug all dies, aber sie warteten nur darauf, dass er die Fassung verlor, dass er auf die Respektlosigkeiten reagierte, sein Frust und seine Wut Überhand gewannen, denn dann würden sie sich bestätigt sehen, dann hätten sie etwas zu erzählen, könnten noch mehr Angst und Hass schüren gegen die Ausländer. Und es sagte nie jemand etwas, wenn sie sahen, was ihm auf der Straße angetan wurde.

They harassed him, called him names, attacked him, accused him. They were small disdaining gestures, glances, doubtful questions, almost coincidentally, but they were always there, every time when he went outside. He bore all this, but they only waited that he would lose his self-control, that he reacted to their disrespect, that his frustration and anger got out of hand, because then they would have confirmation, then they had something to talk about, then they could fan the flames of fear and hatred against foreigners. And nobody ever said anything when they saw what was done to him on the street.